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Ellipsism

Installation View, 2016

Ellipsism

Installation View, 2016

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Ellipsism

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Ellipsism

Installation View, 2016

Ellipsism, Piktogram, Warsaw

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Piktogram is pleased to present Ellipsism, Zuzanna Czebatul’s solo debut in Poland. Out of powdery concrete, sculptor Czebatul produces her own material creating three-dimensional works that oscillate between figurative paintings, casted sculptures, and architectonic structures. For the newly produced show at Piktogram, Czebatul has conceived a series of eight large-scale concrete wall and floor works that draw upon Ancient Greek sculptures, Christian symbolism, and Occidental imaginary to form a picturesque yet subtle critical statement about Europe’s status quo. Looking closer at the seemingly native visual world, one might discover hidden narratives dealing with the current de-democratization and constitutional crisis in Poland. In short, Czebatul’s new body of work sheds light onto the signs that could help to decipher our future history. Ellipsism is part of Warsaw Gallery Weekend and runs through November 12, 2016.

Ellipsism is a coinage that describes “a sadness that you’ll never be able to know how history will turn out” and refers to a vague feeling of uncertainty that – given the rising challenges Europe faces –seems currently quite familiar. In this politically intense situation, voices are raised that criticize the achievements of modernity, question the validity of human rights, and that interpret the freedom of movement and equality not as universal, but rather as personal. How will these developments affect our future? Somehow, it seems clear that we have reached a pivotal moment that will decide on our future will turn out.

Czebatul’s exhibition captures precisely this moment of uncertainty. Poured in concrete, the massive works illustrate scenes full of allusions: a sleeping nude lolls beneath a pomegranate tree, the Western symbol of fertility, love, and marriage, in the trunk of which an axe is stuck almost incidentally. Another work shows a dreamy dancer who seems to move in seductive sensuality in front of a half-open, half-closed gate. A third work shows a caryatid, an Ancient Greek sculpted, usually female, figure serving as columns of temples, whose seemingly masculine back in Czebatul’s imaginary only lifts the burden of the portal with a great deal of effort. Included in the exhibition are five additional works in which the hand of God pours black oil in eternal hellfire, angels’ trumpets devour healthy humans, dromedaries gather strength and endurance, sea and sky transform into commanding Goddesses, and the allegories Hope and Fear succumb to one another in erotic battle. In Ellipsism, this new body of work is tied together by a number of small rondi featuring erect phalluses, that not only remind us of the banality of male power in a gentle way, but that together with the eight large-scale concrete works draw upon the current developments of a world that seems to be unravelling.

“Art is not political,” to quote Jacques Rancière, “because of the messages and sentiments it conveys concerning the state of the world. (…) It is political (…), because of the type of space and time it institutes, and the manner in which it frames this time and peoples this space.” If, according to Rancière, politics is the re-arrangement of space and the re-assortment of arguments, then Czebatul’s exhibition is the momentary irritation that shakes one’s general opinions and re-assembles the driving and relevant questions of our time.

– Vivien Trommer



German

Piktogram freut sich, Ellipsism, das Solo-Debüt von Zuzanna Czebatul in Polen, zu präsentieren. Aus pulverisiertem Beton entwickelt die Bildhauerin ihr eigenes Material und schafft dreidimensionale Arbeiten, die zwischen figurativer Malerei, gegossener Skulptur und architektonischen Strukturen oszillieren. Für die neu produzierte Ausstellung bei Piktogram konzipierte Czebatul eine Serie von acht großformatigen Betonarbeiten für Wand und Boden, die sich auf antike griechische Skulpturen, christliche Symbolik und westliche Bildwelten beziehen, um eine zugleich malerische und subtile kritische Aussage über den Status quo Europas zu formulieren. Bei genauerem Hinsehen lassen sich in dieser scheinbar vertrauten Bildwelt verborgene Erzählungen entdecken, die sich mit der aktuellen Entdemokratisierung und der Verfassungskrise in Polen auseinandersetzen. Kurz gesagt wirft Czebatuls neue Werkgruppe ein Licht auf Zeichen, die helfen könnten, unsere zukünftige Geschichte zu entschlüsseln. Ellipsism ist Teil des Warsaw Gallery Weekend und war bis zum 12. November 2016 zu sehen.

Ellipsism ist eine Wortneuschöpfung, die „die Traurigkeit beschreibt, niemals erfahren zu können, wie die Geschichte ausgehen wird“, und auf ein diffuses Gefühl der Unsicherheit verweist, das angesichts der wachsenden Herausforderungen Europas derzeit besonders präsent erscheint. In dieser politisch angespannten Situation werden Stimmen laut, die die Errungenschaften der Moderne kritisieren, die Gültigkeit der Menschenrechte infrage stellen und Bewegungsfreiheit sowie Gleichheit nicht mehr als universelle, sondern als individuelle Werte interpretieren. Wie werden sich diese Entwicklungen auf unsere Zukunft auswirken? Es scheint, als hätten wir einen Wendepunkt erreicht, der darüber entscheidet, wie sich unsere Zukunft gestalten wird.

Czebatuls Ausstellung fängt genau diesen Moment der Unsicherheit ein. In Beton gegossen zeigen die monumentalen Arbeiten Szenen voller Anspielungen: Ein schlafender Akt liegt unter einem Granatapfelbaum – einem westlichen Symbol für Fruchtbarkeit, Liebe und Ehe –, in dessen Stamm beinahe beiläufig eine Axt steckt. Eine andere Arbeit zeigt eine träumerische Tänzerin, die sich in verführerischer Sinnlichkeit vor einem halb geöffneten, halb geschlossenen Tor bewegt. Eine dritte Arbeit zeigt eine Karyatide – eine antike griechische, meist weibliche Figur, die als Säule dient –, deren scheinbar männlicher Rücken in Czebatuls Bildwelt die Last eines Portals nur mit großer Anstrengung trägt.

Zur Ausstellung gehören außerdem fünf weitere Arbeiten, in denen die Hand Gottes schwarzes Öl in ein ewiges Höllenfeuer gießt, Engelstrompeten gesunde Menschen verschlingen, Dromedare Kraft und Ausdauer sammeln, Meer und Himmel sich in gebieterische Göttinnen verwandeln und die Allegorien Hoffnung und Angst in einem erotischen Kampf aufeinandertreffen. In Ellipsism wird diese Werkgruppe durch eine Reihe kleiner Rondi zusammengehalten, die erigierte Phalli zeigen. Diese erinnern auf subtile Weise an die Banalität männlicher Macht und verweisen gemeinsam mit den acht großformatigen Betonarbeiten auf aktuelle Entwicklungen einer Welt, die sich zunehmend aufzulösen scheint.

„Kunst ist nicht politisch“, um Jacques Rancière zu zitieren, „aufgrund der Botschaften und Gefühle, die sie über den Zustand der Welt vermittelt. (…) Sie ist politisch (…), aufgrund der Art von Raum und Zeit, die sie schafft, und der Weise, wie sie diese Zeit rahmt und diesen Raum bevölkert.“ Wenn Politik – so Rancière – die Neuordnung von Raum und die Neusortierung von Argumenten ist, dann ist Czebatuls Ausstellung ein Moment der Irritation, der gewohnte Sichtweisen erschüttert und die zentralen Fragen unserer Gegenwart neu zusammensetzt.

– Vivien Trommer

Photo: Bartosz Górka