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Siegfried's Departure

Installation View, 2019

Siegfried's Departure

Installation View, 2018

Siegfried's Departure

Installation View, 2018

The World In Motion III

Installation View, 2018

Even A Spaceship Has To Land Sometimes, CCA Futura Prague

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It needed four people to carry the large flat powder concrete sculptures of Zuzanna Czebatul, that we exhibited with Linda and Daniela Dostálková at Plato Ostrava, as each of them weighted 120 kilos. I immediately thought it is sympathetically courageous to produce such a work in the era of absolute mobility. And even subversive as this kind of sculptures are still ascribed mainly to male artists. There is always something loud in Zuzanna’s work. The taste for artificial, eccentric and excessive. She isn’t scared to expose herself, not to hide behind the usual contemporary art arrogance of never to be too explicit and only giving the exact right amount. Her work of course builds on the pop, or one could even say porn. Those toxic artificial seduction mechanisms that simply click the right buttons inside and are too fast to keep on with how they’re operating. But she detours them, not with the classical irony, as irony stopped to work already long time ago. Same for appropriation. She rather dematerialise and over-materialise them in the same time, accentuating the surface but always with tension to the matter.

At FUTURA Zuzanna exhibits three large feet that are exact casts of Siegfried’s foot from Berlin’s Bismarck memorial taken with silicone moulds. The problematic gesture what comes to its ambivalent legality questions to whom public sculptures belong, but no only as part of the public space but literally as shapes that are given to be seen but not to be acquired for further use. The guerrilla moulding affects the original only in one sense, that it removes the green patina caused by advanced oxidation. The new Siegfried’s legs had not been cast in bronze but in plaster, but are coated with a thin layer of metal that had been also patinated in three chemically different ways creating a different effect. This again adds to the tension between the surface and the essence, between the skin and the flesh.

The resin brick pieces spread over the walls of FUTURA plays on a certain 1990s aesthetics, the sort of Brooklyn brick graffiti style graphics used in popular culture as in Jump street 21 television series. The site specific reaction to the walls of FUTURA, that is a sort of imitation, could then also be read in the relation of counter culture and its commercialisation. The position of FUTURA and the quickly gentrifying neighbourhood. The words we read on the pieces: Block, Chaos, Skies, Lover, Prick and Rush adds to the teenage vibe, the problematic obligation to play a certain role, act according to a certain script, but also the romantic subversive energy of the “teenage” as state rather than age. The uncertainty of sincerity and staging in this work underlines a certain third reading. The inherent irony may allow for it meaning something serious. Perhaps this stubborn going for something that will be essentially read as ironical, even over ironical, is one of the last hope we have for being able to say something serious in a culture so much based on genre and parody.

The series of paintings is recomposition of 1982 illustration of Ryoko Ishioka and it was executed in Dafen, China, in order-based painting workshops. The feminine but not clearly gendered figure we see from behind, stands on a sky that mirrors her body, creating its exact image below. Her position on tip toes with hands crossed on her hips is both contemplative and alerted. The deep green body suit being somehow a second skin underlines her body features, but also seem to have functional protective and reinforcing function. We could read this image as visual commentary on the other works and the works of Zuzanna Czebatul in general. It somehow mirrors the exhibition visually, metaphorically but also literally in the presence of Skies, Skins and tiptoed feet.

Michal Novotný



German

Es brauchte vier Personen, um die großen, flachen Betonskulpturen aus Pulverbeton von Zuzanna Czebatul zu tragen, die wir zusammen mit Linda und Daniela Dostálková im Plato Ostrava ausgestellt haben, da jede von ihnen 120 Kilo wog. Ich dachte sofort, dass es auf sympathische Weise mutig ist, ein solches Werk im Zeitalter absoluter Mobilität zu produzieren. Und sogar subversiv, da diese Art von Skulpturen nach wie vor hauptsächlich männlichen Künstlern zugeschrieben wird. In Zuzannas Arbeit liegt immer etwas Lautes. Eine Vorliebe für das Künstliche, Exzentrische und Exzessive. Sie hat keine Angst, sich zu exponieren, sich nicht hinter der üblichen Arroganz der Gegenwartskunst zu verstecken, die darin besteht, nie zu explizit zu sein und immer nur genau das richtige Maß zu geben. Ihre Arbeit baut natürlich auf Pop auf – man könnte sogar sagen auf Pornografie. Diese toxischen künstlichen Verführungsmechanismen, die einfach die richtigen Knöpfe drücken und zu schnell sind, um nachvollziehen zu können, wie sie funktionieren. Doch sie lenkt sie um – nicht mit klassischer Ironie, denn Ironie funktioniert schon lange nicht mehr. Dasselbe gilt für Appropriation. Stattdessen dematerialisiert und übermaterialisiert sie diese zugleich, betont die Oberfläche, aber immer in Spannung zur Materie.

Bei FUTURA zeigt Zuzanna drei große Füße, die exakte Abgüsse von Siegfrieds Fuß aus dem Berliner Bismarck-Denkmal sind, hergestellt mit Silikonformen. Eine problematische Geste, die mit ihrer ambivalenten Legalität die Frage aufwirft, wem öffentliche Skulpturen gehören – nicht nur als Teil des öffentlichen Raums, sondern buchstäblich als Formen, die zwar zum Anschauen gegeben sind, jedoch nicht zur weiteren Nutzung angeeignet werden sollen. Das Guerilla-Abformen verändert das Original nur in einem Punkt: Es entfernt die grüne Patina, die durch fortgeschrittene Oxidation entstanden ist. Die neuen Beine Siegfrieds wurden nicht in Bronze gegossen, sondern in Gips, jedoch mit einer dünnen Metallschicht überzogen, die auf drei chemisch unterschiedliche Arten patiniert wurde und jeweils andere Effekte erzeugt. Dies verstärkt erneut die Spannung zwischen Oberfläche und Wesen, zwischen Haut und Fleisch.

Die an den Wänden von FUTURA verteilten Harz-Ziegelstücke spielen mit einer bestimmten Ästhetik der 1990er-Jahre – jener Art von Brooklyn-Ziegel-Graffiti-Grafik, wie man sie aus der Popkultur kennt, etwa aus der Fernsehserie „21 Jump Street“. Die ortsspezifische Reaktion auf die Wände von FUTURA, eine Art Imitation, lässt sich auch im Zusammenhang von Gegenkultur und ihrer Kommerzialisierung lesen. Ebenso verweist sie auf die Position von FUTURA und das sich rasch gentrifizierende Umfeld. Die Worte auf den Objekten – „Block“, „Chaos“, „Skies“, „Lover“, „Prick“ und „Rush“ – verstärken den jugendlichen Vibe, die problematische Verpflichtung, eine bestimmte Rolle zu spielen, nach einem bestimmten Skript zu handeln, aber auch die romantisch-subversive Energie des „Teenager-Seins“ als Zustand und nicht als Alter. Die Unsicherheit zwischen Aufrichtigkeit und Inszenierung in dieser Arbeit eröffnet eine dritte Lesart. Die inhärente Ironie erlaubt es, dass sie dennoch etwas Ernstes bedeuten kann. Vielleicht ist gerade dieses beharrliche Streben nach etwas, das zwangsläufig als ironisch – oder sogar überironisch – gelesen wird, eine der letzten Hoffnungen, in einer so stark von Genre und Parodie geprägten Kultur noch etwas Ernsthaftes sagen zu können.

Die Gemäldeserie ist eine Neukomposition einer Illustration von 1982 von Ryoko Ishioka und wurde in Dafen, China, in auftragsbasierten Malwerkstätten ausgeführt. Die feminine, aber nicht eindeutig geschlechtlich festgelegte Figur, die wir von hinten sehen, steht auf einem Himmel, der ihren Körper spiegelt und darunter ein exaktes Abbild erzeugt. Ihre Position auf Zehenspitzen, mit auf die Hüften gestützten Händen, wirkt zugleich kontemplativ und angespannt. Der tiefgrüne Ganzkörperanzug, der wie eine zweite Haut erscheint, betont ihre Körpermerkmale, scheint aber auch eine funktionale, schützende und verstärkende Funktion zu haben. Man kann dieses Bild als visuellen Kommentar zu den anderen Arbeiten und zum Werk von Zuzanna Czebatul insgesamt lesen. Es spiegelt die Ausstellung gewissermaßen visuell, metaphorisch, aber auch ganz konkret in der Präsenz von Himmeln, Häuten und auf Zehenspitzen stehenden Füßen.

Michal Novotný